Bretagne

Kaum einer der diesen Landstrich ohne eine Form der inneren Bewunderung und Sehnsucht ausspricht.

Mat eo bevañ pell.Bevañ mat avat zo gwell. -
                Lange leben ist gut, Gut leben aber ist besser.

Genau das ist es, was viele mit der Bretgane verbinden. Leben und Lebensqualität. Kaum ein anderes Stück Frankreich ist so voller Mythen, Sagen und unterschiedlichen Bildern. Geschichte erlebt man hier oft hautnah und man kann sich immer wieder vorstellen, wie es für viele Menschen schwer war, hier zu überleben. Die Bretagne, ein keltisches Land. Entdecken wir es ein Stückchen mehr.                    

Also machten wir uns auf, es ein zweites Mal zu besuchen. 



Viele, wenn nicht gar fast alle Geschichten sind hier keltischen Ursprungs. Ab dem 5. Jahrhundert siedelten Inselkelten aus Großbritannien in die Bretagne hinüber. Sie brachten viele der Inselgeschichten, Mythen und Sagen der grünen Insel mit in dieses abwechslungsreiche Land. Das Geschichten - Erzählen war und ist in vielen Bereichen der Bretagne bis heute Tradition. Eine der schönsten Sagen ist die Legende von Ys. Deren Bewohner sollen in "Saus und Braus" gelebt haben, mit Pferdeställen aus Marmor, Häusern aus Gold und Fensterläden aus Edelsteinen. Die Anwohner wurden von Tag zu Tag hochmütiger, verloren immer mehr den Blick für die natürliche, reale Welt.Sie wurden von Tag zu Tag dadurch unvorsichtiger, dachten Ihnen könne nie irgend etwas geschehen. Auch ihr König Gradlon und seine Tochter Dahut erging es so. Eines Tages wurde die Tochter von ihrem Liebhaber in einer Nacht verführt und sie stahl anschließend ihrem Vater den goldenen Schlüssel für die Pforten der Stadt. Doch der Liebhaber entpuppte sich als der Satan selber. Er öffnete die Schleusentore der tiefgelegenen Stadt und es passierte, was passieren musste. Die Stadt Ys versank in den Fluten des Meeres.  Nur ihr König Gradlon konnte mit Hilfe der Heiligen Gwènolè gerettet werden, indem er seine eigene Tochter, als sie mit einem Pferd an ihm vorbei ritt und versuchte den Fluten zu entkommen, vom Pferde stieß. In dem Moment tat er dies, um alle Sünden der Stadt den Fluten zu opfern. So konnte er zwar sein Leben retten, aber weder seine Tochter, noch die Stadt konnte gerettet werden. Seit dem sucht man vergeblich nach der Stadt am Meeresboden. Gerettet werden kann die Stadt nur an einem Karfreitag, wenn in ihrer eigenen Hauptkirche wieder die Messe gelesen wird. Doch dazu müsste man sie erst einmal finden.
Viele Menschen versuchen seit jeher diese Stadt zu finden, es ist wie die Suche nach Atlantis oder dem Nibelungengold.
 

 

Unsere Tour führte wie (fast) immer ausgehend von Calais in die Bretagne.
Über das Cap Frehel besuchten wir diesmal Städte und Gegenden von Trebeurden, Roscoff, Le Diben, Ìle de Grande, Tregastel und viele mehr. 

Die ersten drei Fotos und die folgenden stammen alle um das Cap Frehel herum.   Mit Blick auf Fort de la Latte



Auch unseren Beiden gefiel es am Cap sehr gut. Es war die letzte große Reise, die wir mit beiden Hundies gemacht haben. Unsere Ayla ist mittlerweile 16 Jahre und mag einfach nicht mehr soviel Autofahren. Sattdessen liegt sie Zuhause auf ihrer Kuscheldecke und lässt sich verwöhnen.

 












 

Als wir nach Roscoff kamen dachte ich nur an diese fantastischen roten Roscoff Zwiebeln. Ihre rosarote Schale leuchtet einen schon von weitem an. Das wohlriechende, ebenfalls rosafarbiges Fruchtfleisch ist ein wahrer Genuss für den Gaumen. Sie wird Mitte Februar bis Mitte April eingesät und kann dann ab August geerntet werden. Die Zwiebeln werden zu einem Zopf zusammen gebunden um so zu Ende zu reifen.  Pro Jahr werden ca. 2500 bis 3000 t geerntet. Sie ist reich an Vitamin C. Aber auch an  Vitamin A und B. Damit war sie besonders für die Seeleute als Vitaminbringer sehr wichtig.

Nun ein besonders gutes Rezept für ein Zwiebel Confit:


1kg Roscof Zwiebeln

15cl Himbeeressig

15cl Weinessig

15 cl Grenadine

150 gr. Puderzucker

100 gr. Butter
Die Zwiebeln schälen, klein schneiden und in der Butter anschwitzen. Die Flüssigkeit in 15-20 Minuten einreduzieren lassen. Anschließend die beiden Essige hinzu fügen und erneut reduzieren, bis keine Flüssigkeit mehr vorhanden ist. Jetzt den Puderzucker und den Grenadine hinzufügen und rühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Das Zwiebelconfit für 12 Stunden ruhen lassen
.
Dann in Ruhe genießen und von den Märchen und Mythen der Bretagne träumen.



In meinen Vorstellungen sah ich einen Bauernhof neben dem anderen voll mit rosafarbenden Zwiebeln.
Denkste :-) Ein ganz normales, schönes Städtchen, aber zweimal, nee, da waren wir uns einig, nicht unbedingt.
Hier unten ist der Anleger zu sehen, von dem aus die Fähren nach Irland fahren.



Die Küstenlandschaft der Bretagne ist sehr abwechslungsreich. Strand, Sand, Kieselstrand aber auch Wälder begegnen einem in vielen Facetten. Was uns allerdings gestört hat, war die Tatsache, dass man viele der schönen Strände nicht mit Hund betreten darf. So wie unten, wunderschön, aber eben nur "zum vorbei fahren" für uns. Leider.



Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch der Festung von Bertheaume. Wobei ein wenig getrübt, weil geschlossen :-(  Die Festung wurde bis 1944 militärisch genutz. Der Beginn der Nutzung war im Jahre 1694, also insgesamt fast 300 Jahre. Sie liegt in der Meerenge von Brest und war somit ein wichtiger Punkt zur Verteidigung der Stadt Brest. Allerdings geht die erste Erwähnung bereits auf das Jahr 1474 zurück. Es war zur damaligen Zeit "nur" ein kleiner Vorgängerbau der heutigen Burganlage. Vauban, wer auch sonst, ließ die Burg dann ausbauen und Geschützstellungen errichten.



Die erste Brück wurde im Jahre 1835 gebaut. Vorher war der Zugang nur mit dem Boot von der Meerseite her möglich.



Im Jahr 1880 und folgende wurden die Bunkeranlagen innerhalb der Festung weiter ausgebaut, so dass ein großer wichtiger Stützpunkt auch später im zweiten Weltkrieg entstand. 
Erst der Erwerb durch die Gemeinde Plougonvelin konnte sie den Besuchern zugänglich gemacht werden, da sie dadurch ihren militärischen Status verlor und nur noch zu archologischen Grabungen genutzt wurde/wird. Mittlerweile befindet sich hier eine Freilichtbühne, ein Klettergarten, indem man im Sommer mit einer Drahtseil vom Festland auf die Burg hinüber "rasen" kann, mehreren Grillplätzen und einem Hinkelsteinensemble, dass wir aber nicht sehen konnten, da zu :-) Ich möchte nicht wissen, was im Sommer hier los ist.
 


 

 



Ausblick vom Parkplatz vor der Festung. Die Gegend um die Festung selber ist im Grunde genommen das eigentlich Schöne. Wunderschöne, stilvolle Häuser, nette kleine Nischen am Strand die einfach zum Erholen und "Seele baumeln lassen" einladen. Also unbedingt ein wenig hier herum fahren und "seinen " Platz suchen und finden :-).

Wie man sieht, war es nicht immer einfach einen wirklich schönen Stellplatz zu finden. Wie schon oben beschrieben, mit zwei Hunden nicht immer so einfach.
Aber meistens gelang es ihm doch für jeden das passende zu finden, wie man sieht.
  

 Natürlich machten wir auch wieder einen kleinen Stop am Point de St. Mathieu. Das ist ein unbedingtes Muß für jeden Bretagneurlauber. Nicht nur der Leuchtturm und die Kirchenmauerreste sind wirklich sehenswert, auch die gesamte Umgebung ist einfach nur schön. Zum Verweilen, erholen, sich wohlfühlen. Also hin!

 

 

Die Bretgane ist ein sehr religiöser Landstrich Frankreichs. Viele Kathedralen, Klöster, Kirchen sind hier zu bestaunen. Kaum ein Ort der nicht einige Zeichen dieser Religiösität nach außen zeigt.

 
       
Die Bretagne ist seid jeh her ein Land der Kelten, in dem Druiden, die als Priester, Magier aber auch als Lehrer, Richter und als Heiler verehrt wurden. Bereits seid der Eisenzeit lebten die Kelten hier in der Bretagne. Die Kelten waren stets ein sehr religiöses Volk. Sie verehrten Natur und Götter, opferten bisweilen auch Menschen um die Natur ihnen gegenüber wohl zu stimmen. In ihren Augen hatten die Götter viele Formen. Sie konnten als Tiere auftreten oder in Bäumen wohnen, in Felsen leben oder in Flüssen existieren. Heilige Stätte waren für die Kelten immer wichtig und etwas besonderes. Hier war man den Göttern, den magischen Kräften der Natur am Nächsten. Im Jahr 56 v. Chr. wurden sie von Caesar besiegt und die römische Kultur hielt ihren Siegeszug in diesem Landstrich. Trotzdem kamen bis zum 5. Jahrhundert
n. Chr. immer wieder neue Kelten aus Britannien über den Ärmelkanal. Sie flohen vor den Germanen Stämmen der Angel und Sachsen. Sie nannten diesen Landstrich "klein Britannien" und daraus wurde im Laufe der Zeit "Bretagne". Dies ist der Grundstein für die hohe Religiösität des Landes, für die vielen Kirchen und zu verehrenden Heiligen. Kaum ein Dorf, eine Stadt die nicht einen eigenen Heiligen hat, den sie verehrt. 

Viele dieser Kultstätten haben wir bereist vorgestellt. Auf der Ile-Grande haben wir weitere entdeckt. Die Insel ist ein herrliches Stück Erde, aber nicht im Hochsommer. Völlig überlaufen, teuer und für Wohnmobilisten schwer zu fahren, da durch den hohen Autoverkehrsaufkommen es manchmal schwer ist zu chauffieren. Zudem kleine Stassen die manchmal das Wendemanöver sehr erschweren.
Im Jahre 1891 wurde die Insel durch den Brückenbau mit dem Festland verbunden. Sie liegt an der Rosa Granitküste und hat ca. 800 feste Einwohner.
Am höchsten Punkt befindet sich eine Steinansammlung, sog. Allèe couverte. Sie misst 9,5 m in der Länge und ist ca. 1,5m lang. Sie ist mit zwei Granitplatten bedeckt. Daneben befinden sich weitere acht Steine deren Bedeutung bis heute unklar ist. Vielleicht die Reste einer Kultstätte, oder weitere Grabkammern.


 



Durch Zufall entdeckten wir unterwegs die Burg Trèmazan, im Gemeindegebiet Landunvez, im Dèpartements Finistère.
 
Sie stammt aus dem 9./10. Jahrhundert und wurde nach ihrer Zerstörung im Jahr 1250 wieder neu aufgebaut.  Hier residierte die Familie du Chastel, die jedoch im 16. Jahrhundert ohne Erbe/Nachkomme blieb.
Durch Zufall habe ich auf YouTube einen tollen Link dazu gefunden.

youtube.com/watch?v=Ja0cECmU8HA

Die gesamte Gegend um die Burgruine herum ist entdeckenswert. Überall finden sich größere und kleinere Zeitzeugen unterschiedlicher Geschichtsperioden.

 

So sieht man hier ein Dorfwaschbecken, das eben für die Dorfbewohner als "Waschmaschine"diente, und um die Burg herum gibt es sehr viel Natur, wie man sehen kann.



Ebenso ungeplant und unverhofft entdeckten wir da
s Chateau le Guildo - das Schloss von Gilles de Bretagne.



   

Gilles de Bretagne war mit Francois de Dinan verheiratet. Sie war zu dem Zeitpunkt erst 8 Jahre alt. Er war am herzoglichen Hof in Ungnade gefallen weil man ihm unterstellt mit den Engländern zu sympatisieren. Als diese Beschuldigungen nicht ausreicheten ihn ermorden zu lassen, unterstellte man ihm eine Verschwörung gegen seine eigenen Bruder. Man warf ihn  in den Kerker, versuchte ihn zu ermorden aber erst 1450 gelang es ihn im Schlaf zu erdrosseln. Vorsorglich hatte Gilles einen Mönch beauftragt, seinen Bruder innerhalb von 40 Tagen vor Gericht zitieren zu lassen und ihn mit den Mordvorwürfen zu konfrontieren.  Als dieser von dem Tod seines Bruder erfuhr, ließ er in der Kirche auf dem Mont St. Michel eine Messe für ihn lesen. Dort begegnete er dem Mönch, dieser übergab ihm die Vorladung. Daraufhin wurde er krank und verstarb plötzlich und unerwartet genau 40 Tage später. 

   

 



Das ist der wundervolle Ausblick von den Ruinen in die Bucht. An dem Tag war ein derartiges merkwürdiges Licht über dem Wasser, unglaublich. Fast gespenstisch, märchenhaft oder einfach nur atemberaubend.
Die Bilder sind nicht nachgearbeitet, sie entsprechen in ihrem Licht genau dem Orginalmoment.
 

Die Wanderwege um die Burg und zur Burg sind sehr schön angelegt.

Die nachfolgenden Bilder sind aus dem inneren der Burg, natürlich durfte man nicht hinein, aber mein Mann, wiedermal :-) ist einfach hinein geklettert.
   

Hier sieht man die Umgebungsstrasse um das Schloss unten am Hafen herum. Sehr schön zu fahren!


Wie sovieles auf dieser Reise haben wir auch ein Örtchen entdeckt, dass wir gleich zweimal angefahren sind, weil der Stellplatz einfach fast unschlagbar ist.
Le Diben, wunderschönes sehr kleines Dörfchen, aber der Stellplatz liegt direkt am Hafen mit einer wunderschönen Aussicht auf die Bucht. Direkt neben dem Stellplatz gibt es einen kleinen Fischerladen indem man wirklich wie in einem "kleinen Tante Emma Laden" vieles einkaufen kann. Von Kleidung über Postkarten bis hin zu Lebensmittel.
Wie man an den Fotos sehen kann haben wir Le diben bei unterschiedlichem Wetter erlebt. Einmal bei Sonnen- schein und einmal in einer "Weltuntergangsstimmung" :-)

 
Direkter Blick aus dem Wohnmobil übrigens. Ist das nicht unschlagbar?
Die untere Umgebung erreicht man nach wenigen Schritten um den Hafen herum, unbedingt entlang gehen, nicht versäumen!
 
 



Bei Ebbe

 

Nicht nur die Ebbe ist sehenswert, das Gewitter was hier aufzieht war unglaublich. Fast hatte man den Eindruck, die Welt geht tatsächlich unter.
 
  
     

Aber Le Diben hat noch mehr zu bieten. Um die Bucht herum liegen schöne Wanderwege mitten durch Gesteine die die Fantasie anregen. Auch die alten Schiffe haben wir durch Zufall gefunden. Also es lohnt sich wirklich hier einmal sich auf die Suche zu begeben.

 
  



 

Zum Abschied aus der Bretagne ein paar einzigartige Felsenbilder. Mich fasziniert die Landschaft immer wieder. Was die Natur hier geschaffen hat kann ein Mensch an Schönheit niemals zu Papier bringen. Die Natur ist unser großes Gut dass wir aber viel zu wenig schätzen. Erst wenn es sich dem Ende neigt wird der Mensch feststellen was er verliert.

       

 



Oft fahren wir an Le Treport vorbei. Den Stellplatz habe ich erst auf den zweiten Blick "schätzen" und lieben gelernt. Er liegt oberhalb der Stadt, direkt an den Klippen. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick aufs Meer und auf die Stadt unten im Tal. Manchmal kann man bei schöner klarer Sicht die gesamte Sommè Bucht sehen. Le Preport selber hat als Atraktion den fahrenden Tunnelshuttle. Bedeutet oben von den Klippen fährt ein Aufzug durch den Felsen in die untere Stadt. Unbedingt einmal machen, tolles, zwar kurz, aber dennoch schönes Erlebnis. Unten erwarten einen kleiner Geschäfte, Touristen-Schnapp, aber trotzdem nett anzusehen. Zudem kann man leicht an den Hafen kommen, wo im Sommer oft auch Konzerte stattfinden. Manchmal hört man die Musik bis oben an die Klippen. Aber nie bis zum Stellplatz.  



Und wie immer ist natürlich Equihen Plage und Calais (fast) Pflichtprogramm. Ich mag diese beiden Stellplätze, ich mag die Ortschaften, das "Drum herum". Equihen Plage besticht durch seine Einfachheit aber eben auch durch die wunderschöne Landschaft und Natur in der man stundenlang verweilen kann.
Calais ist einfach durch seine Geschäftigkeit, durch den Hafen, durch die unterschiedlichen Menschen die man hier trifft immer wieder eine Bereicherung. Hier möchte ich einmal expliziet die Briten loben. Sie sind stets freundlich, hilfsbereit und immer zu einem Plausch bereit.  

 

 



 




"Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein."
 - Simone de Beauvoi -

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